24. Mai 2010 – 18:25
Juhu! Endlich mal wieder einen Blogbeitrag. Das wird auch mal wieder Zeit. Ich habe zwar so viele Ideen aber bekomme sie leider nicht auf die Straße. Naja …immerhin war das eine gute Überleitung zum eigentlichen Thema. :-) Denn in diesem Artikel geht es um Carsharing. Ich erzähle, wie ich dazu kam, warum es gut für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel ist, berichte über meine Erfahrungen und gebe Tipps für Einsteiger.
Aus der Not eine Tugend gemacht
Von Juni 2008 bis September 2009 war ich stolzer Besitzer eines VW T3 Bullis. Ich habe dieses Gefühl, seine Heimat mit auf die Reise zu nehmen sehr genossen: Die Option auf Freiheit. Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich diese Option höchst selten genutzt. Meistens stand er nur rum weil ich eh mit S- und U-Bahn zur Arbeit gefahren bin. Nachdem ich meinen Bulli dann wegen eines Motorschades verkaufen musste, habe ich mich bei einem Carsharing Dienst angemeldet. Nun teile ich mir die Nutzung eines Autos mit vielen anderen Menschen. Meine Wahl fiel dabei auf Cambio. Weitere Dienste sind z.B. Greenwheels und das Carsharing der Deutschen Bahn. Jetzt, da das Wetter besser wird, habe ich mich zusätzlich bei Stadtrad Hamburg angemeldet. Aber dazu in einem anderen Beitrag.
Carsharing ist umweltschonende Mobilität
Im Durchschnitt steht ein Auto 23 Stunden pro Tag ungenutzt rum. Das entspricht einer Auslastung von gerade mal 4% – völlig unwirtschaftlich! Weil das Auto nicht ausgelastet ist, werden die eingesetzten Ressourcen nicht effektiv genutzt. Laut Angaben des Bundesverband Carsharing ersetzt ein Carsharing-Auto 4-8 private Autos. Viele Autos müssen also erst gar nicht gebaut werden. So werden Resorcen geschont! [Info]
Die Tarifgestaltung der meisten Carsharing-Dienste bewegt den Kunden zur Buchung kleiner, verbrauchsarmer Autos. Kleine Autos sind preislich günstiger als große Modelle. Zudem sind die Flotten der Dienste jünger als der private Autobestand, verbrauchen also weniger und stoßen weniger CO² aus.
Was die CO² Bilanz betrifft sind wohl nur ÖPNV- und Fahrrad-Fahrer besser dran – und natürlich Fußgänger. Außerdem ist Bikesharing eine super Alternative. Aber über meine Erfahrungen mit Stadtrad Hamburg werde ich in einem anderen Beitrag berichten. …der Text ist eh schon wieder viel zu lang. ;-)
Carsharing ist kostengünstiger als ein eigenes Auto
Laut Cambio loht sich der Kauf eines eigenen Autos erst ab einer monatlichen Fahrleistung von 850 km – also täglich ca.28 km. Bis zu dieser Grenze ist Carsharing meist günstiger. Greenswheels stellt eine andere Rechnung auf: Der ADAC ermittel jedes Jahr die Kosten für den Unterhalt eines Autos. Mit 322€ pro Monat sind der Toyota Aygo 1.0 und der Smart fortwo coupé 1.0 die günstigsten Modelle in der Kleinwagenklasse und somit auch in der gesamten Wertung. Das günstigste Modell der Oberklasse (Nissan Patrol) schlägt dagegen schon mit 853€ monatlich zu Buche. Hintergrundinfos zur Berechnung gibt’s hier.
Ausgehend von monatlichen Carsharing-Kosten von 25€ (Durchschnitt eines Greenwheels Kunden) und 60€ für ein ÖPNV-Abo liegen die Möbilitätskosten bei rund 85€ pro Monat und Person. Mit mind. 322€ liegen die Mobilitätskosten eines Autofahrers etwa bei dem 4-fachen.
Der Wertverlust eines Autos ist in den Kosten des ADAC enthalten, der Kaufpreis jedoch nicht. Zusätzlich zu den monatlichen Kosten muss also auch der Kaufpreis eines Autos einkalkuliert werden. In den meisten Fällen kommen noch Zinskosten dazu! Was man sich von dem ganze Geld alles hätte kaufen können? Wie viel Geld man wohl hätte, wenn man es gewinnbringend investiert hätte?
Carsharing ist einfach
An dieser Stelle kann ich natürlich nur von meinen Erfahrungen mit Cambio berichten. Die Anmeldung ist unkompliziert und geht relativ schnell. Anschließend erhält man eine Chipkarte und einen persönlichen PIN-Code. Die Buchung der Autos erfolgt via Telefon oder Internet. Man gibt den Zeitpunkt der Buchung sowie die geschätzte Nutzungsdauer an.
Mit Karte und PIN öffent man den Schlüssel-Safe an der Station, entnimmt den Schlüssel und fährt los. Je früher man weiss, wann man ein Auto braucht, desto wahrscheinlicher ist es, dass es auch frei ist. Ich habe zwar auch schon ganz spontan einen Wagen gebucht aber in der Regel funktioniert das nicht. Es kommt darauf an, wie viele Wagen an einer Station stehen und wie häufig sie genutzt wird. Sollte ein Wagen mal nicht frei sein, kann man sich entweder für einen anderen Zeitraum, ein anderes Modell oder eine andere Station entscheiden. Bisher habe ich noch immer einen Wagen bekommen.
Nach Ende der Fahrt bringt man das Auto wieder zur Station, öffnet den Safe und gibt den Schlüssel wieder zurück. Besonders schön: die Parkplätze sind reserviert. Man muss also nicht mehr suchen! :-)
Das Auto innerhalb des verabredeten Zeitraumes wieder zurückzugeben ist Ehrensache. Imnmerhin kann es sein, dass sich jemand anderes den Wagen reserviert hat. Außerdem muss man eine Strafgebühr zahlen. Zeichnet sich ab, dass man es nicht rechtzeitig schafft, kann man die Hotline anrufen und versuchen, den Wagen zu verlängern. Die Abrechnung der gemieteten Autos erfolgt einmal im Monat. Bisher habe ich nur einmal über 50€ gelegen. Da bin ich aber auch mehrere Stunden in Norddeutschland gewesen.
Tipps für Einsteiger
Ich gehe mal davon aus, dass du dich an dieser Stelle entschieden hast, dich bei einem der Anbieter anzumdelden. ;-) Meiner Ansicht nach gibt es dabei zwei wesentliche Entscheidungskriterien: Die Kosten und die Nähe der Station zur eigenen Wohnung.
Die Kostenfrage ist sehr individuell. Es hängt davon ab, wie oft man sich ein Auto nimmt und wie viele Kilometer gefahren werden. Je Anbieter gibt es verschiedene Tarife für unterschiedliche Nutzungszenarios. Mein Endruck war, dass sich die Anbieter preislich alle nicht sonderlich unterscheiden.
Die Nähe der Car-Sharing Station zu meiner Wohnung war damals das entscheidende Kriterium für meine Anbieterwahl. Da die Station gleich um die Ecke liegt, hatte ich immer das Gefühl, als würde ich zu meinem Auto gehen, das ich sehr lange nicht benutzt hatte. Ich habe zwar jetzt nur von Hamburg geschrieben. Aber prinzipiell ist Carsharing auch auf dem Dorf möglich. Die Wege sind hier oft kürzer als in der Stadt.
So manch einer wird sich fragen, was der Unterschied zur klassischen Autovermietung ist. Beim Crasharing kann man das Auto stundenweise mieten. Bei der Autovermietung muss man mindestens einen ganzen Tag lang mieten. Ein Vorteil bei der klassischen Vermietung: man kann das Auto bei jeder Station wieder abgeben. Beim Carsharing geht das nicht. Das Auto muss dort abgegeben werden, wo man es ausgeliehen hat.
Natürlich hat Carsharing auch Nachteile: Man ist nur eingeschränkt flexibel. Wenn man das Auto spontan nutzen möchte, kann es sein, dass gerade keins verfügbar ist. Außerdem kann man es nicht direkt vor der Haustür parken und es ist nicht so eingerichtet, wie man es vielleicht gern hat. Und wer sein Auto als Statussymbol sieht, hat beim Carsharing eh verloren – kein Besitz, kein Status – keine Penisverlängerung! ;-)
Egal ob Stadt oder Dorf: Carsharing ist wohl primär eine Frage von Ego, Status und Bequemlichkeit. ;-) Rational betrachtet sollte die Frage geklärt sein.
DB Carsharing
Cambio
Greenwheels
Kategorie Allgemein | 2 Kommentare »